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  #1  
Alt 11.03.2006, 06:18
Yasca
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

Hallo Achim,

das Du sauer bist, kann ich echt nur zu gut verstehen, sowas ist eine mehr als nur besch... Situation.
Manchmal habe ich bei einzelnen Leuten auch das Gefühl, Krebs seie ansteckend, dabei ist er nicht mal bei Berührung ansteckend und man ist auch kein anderer Mensch wenn man an Krebs erkrankt ist.
Also ich muss sagen, meine Freunde halten echt ganz toll zu mir, was mir eine enorme Hilfe ist.
Nur bei meiner Schwester habe ich das Gefühl, als wenn sie Angst hätte, sich über Mails anzustecken. Zwar war es schon immer so, dass sie sich nicht sonderlich oft gemeldet hat aber wenn ich in schwierigen Situationen war, weil z.B. OPs anstanden, hatte sie mir immer ganz liebe Mails geschrieben, über die ich mich riesig gefreut habe.
Nun wo sie weiß, dass sich in meinem Magen ein Karzinom gebildet hat, kein Wort mehr von ihr. Ich hatte ihr schon geschrieben, dass ich immer noch ich bin und das Krebs auch nicht ansteckend ist aber keine Reaktion.
Ich meine das die Leute oft mit solchen Situationen überfordert sind, kann ich verstehen, ist eben nicht einfach damit zurechtzukommen aber dann gleich so abweisend zu reagieren, dass finde ich echt total daneben. Das ist einfach auch feige.
Natürlich kann es bei meiner Schwester auch an ihrer eigenen Vorsorge liegen. Sie hat die selbe Erkrankung wie ich, die familiäre Polyposis und war viele Jahre nicht mehr zur Vorsorge gegangen aber dazu will ich noch mal in einem anderen Bericht schreiben.

Liebe Grüße sendet herzlich Yasca
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  #2  
Alt 22.03.2006, 08:47
Benutzerbild von Birgit8
Birgit8 Birgit8 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.12.2004
Ort: Mannheim
Beiträge: 728
Reden AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......




Hallo,
habe alle Einträge hier gelesen und kann vieles bestätigen.
Bei so einer Krankheit ,sage ich immer,trennt sich die Spreu vom
Weizen.
Leute,denen ich vertraute verschwanden.Andere tauchten auf und
blieben.
Ich denke auch das das ein Gesellschaftsproblem ist.Leidende
und Sterbende gehören nich in unsere "Hochglanzprospekte-Welt".
Am Unbefangendesten gingen die Freundinnen meiner damals
12 -jährigen Tochter mit mir um.Das Zimmer meiner Tochter
war immer ein beliebter Treffpunkt.Auch wenn ich mal Ruhe wollte,
da war immer was los.Sie begrüssten mich wie immer und lobten
meine neue Frisur( Glatze!) . Wenn ich in der Eile mal mein
Tuch vergass,dann sagten sie immer,ich soll ruhig mal Luft
ranlassen.Die älteren Mitbewohner aus unserem Haus kümmerten
sich auch rührend um uns!Und wer während der akuten Phase
keinen Kontakt zu mir hatte,zu dem habe ich jetzt auch keinen
Kontakt aufgenommen.Das klingt hart und ist hart.Aber
Freundschaften oder Bekanntschaften,die so eine Krise überstehen,
das sind wahre Beziehungen!

Euch allen Alles Gute,richtige Entscheidungen und einen guten Tag!!

LG Birgit
__________________
"Höre nicht darauf,was der Krebs Dir flüstert,sondern darauf, was Dein Herz Dir sagt!"


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  #3  
Alt 24.03.2006, 17:35
sonnenstrahl sonnenstrahl ist offline
Gesperrt
 
Registriert seit: 21.02.2006
Beiträge: 1.592
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

Hallo,

bin auch grad über dieses Thema gestolpert und kann vieles nachvollziehen und habe es selber so erlebt. Während meiner Krebserkrankung haben sich auch Freunde verabschiedet, zu anderen ist der Kontakt enger geworden und es sind viele neue dazu gekommen. Am Anfang hat mich das schon schockiert, dass selbst die größten Quasselstrippen auf einmal keine Zeit mehr hatten und nicht wussten was sie sagen sollten. Heute sehe ich da großzügig drüber weg. Denke das kommt daher, dass viele nicht wissen, was sie sagen sollen, viele verbinden mit dem Wort Krebs Tod und Siechtum und können sich nicht vorstellen, dass es einem auch mit dieser Krankheit gut gehen kann, man sie annimmt und damit lebt. Krebs ist immer noch ein Tabuthema. Ich rede sehr offen über meine Krankheit und gehe offen auf die anderen zu. Das hilft auch Berührungsängste abzubauen. Schön fand ich, dass ich von meinem Chef damals einen riesen Blumenstrauß bekommen hatte mit einer Karte in der er schrieb, dass ich mir keine Sorgen wegen der Arbeit machen soll und mich voll und ganz auf meine Genesung konzentrieren soll. Dafür ist mein neuer chef der Meinung, er müsse mich entlassen, weil er Geld sparen möchte. Solche Entscheidungen kann nur jemand treffen, der selber nicht weiß, was es heißt, Krebs zu haben, diese immer wieder kehrenden Ängste. Naja, ich steh da drüber. Ich sehe heute vieles anders als früher, habe mich durch die Krankheit verändert zum Positiven für mich.
Übrigens erleb ich grad dasselbe wie während meiner Krankheit, alle wissen, dass ich gekündigt werde, aber nur wenige haben mich darauf angesprochen. Find das schon lustig, macht mir nix aus.

Also liebe Grüße und alles Gute
Anett
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  #4  
Alt 03.04.2006, 23:01
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 27.10.2005
Ort: Weyhe / Niedersachsen
Beiträge: 169
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

hallo an alle,
das es vielen anderen so geht wie uns, war eigentlich klar, aber das es teilweise soooooo gemein und fies zugeht, das ist schon krass.
das hat keiner verdient, der sich in einer solchen situation befindet.
allem zum trotz:
ich glaube, wir haben allen, die uns so enttäuscht haben und unseren anderen bekannten, mal gründlich "DEN WIND AUS DEN SEGELN GENOMMEN".
marion ist inzwischen zuhause, wir hatten kleine aufmerksamkeiten z.b. für alle unsere nachbarn verpackt, egal ob sie sich während marions krankheit um sie gekümmert hatten, oder nicht, wir haben alle gleich behandelt...
für jedes familienmitgleid des jeweiligen haushaltes ein kleines täfelchen schokolade, egal ob erwachsener oder kind, dazu ein kleines kärtchen auf dem stand: FÜR DIE GUTEN WÜNSCHE UND KLEINEN AUFMERKSAMKEITEN VIELEN DANK".
diese kleinen tütchen haben wir in die briefkästen der nachbarn (15 familien) geworfen.
noch während wir unterwegs waren, ich habe marion im rollstuhl geschoben, sind einige nachbarn aus ihren häusern gekommen, es ergaben sich nette gespräche, mißverständnisse sind aus dem weg geräumt worden, es wurde wieder (teilweise) zusammen geredet.
heute gehen wir beide durch die straße und haben nicht den eindruck, als wenn sich jemand mit absicht verstecken würde.
es gibt nach wie vor familien, die damit nicht umgehen können, aber wir haben uns gedacht:
ANGRIFF IST DIE BESTE VERTEIDIGUNG
für uns war es glaube ich das beste, irgendwann sind die anderen bekannten und die letzten zweifler dran, obwohl wir wissen, das damit nicht alle erreicht werden können.
es kann auch nicht jeder aus seiner haut heraus, jeder kann nicht mit einem schicksal wie diesem in seiner nähe umgehen.
aber wenn marion und ich lernen können, dann können es die anderen vielleicht auch.
so, nächstes mal mehr.............

an alle

marion und achim
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  #5  
Alt 04.04.2006, 13:11
LaLuna LaLuna ist offline
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Registriert seit: 12.03.2006
Beiträge: 17
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

Ich hatte zwei Freunde, die jung an Krebs starben. Ich habe sie begleitet, hatte also KEINE Berührungsängste, aber wirklich nachempfinden konnte ich es damals nicht.

1. Tatsache: keiner der nicht auch so krank ist, kann die Quälerei wirklich nachempfinden. Sonst wären wir ja wohl alle nicht hier, sondern würden einen Kaffeklatsch mit Freundinnen machen.

2. Tatsache: niemand wird gerne an seine eigene Sterblichkeit erinnert, das ist menschlich, vor allem in unserer heutigen Zeit, wo doch sehr viele NICHT an ein weiterleben nach dem Tod glauben.

Und jetzt die tröstliche Nachricht: es bauen sich andere Freundschaften auf und ich hoffe, dass Ihr Zeit genug habt, das zu erleben. Diese *neuen* Freundschaften sind im Idealfall alte Freunde, meist aber ganz unbekannte, neue Menschen. Das ist spannend und ich würde ganz ehrlich keine dieser neuen Freundschaften gegen eine frühere eintauschen wollen.

lg LaLuna
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  #6  
Alt 04.04.2006, 18:26
Muecke Muecke ist offline
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Ort: Salzburg
Beiträge: 14
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

Hallo an alle....,

der 1. Beitrag mit der Frage ist nicht mehr ganz neu, aber immer noch hochaktuell. Mir ist da besonders der ROTE Artikel von Birgit aufgefallen und somit kann ich mir weitere Worte ersparen und mich diesem nur voll und ganz anschließen. Auch ich habe weitgehend diese Erfahrung gemacht und auch ich habe von meiner Firma nur eine einzige Karte in der 1. Woche und keinen weiteren Anruf oder so ...erhalten. Wenn ich Kontakt aufnehmen wollte, hat es nur geheißen: Du weißt ja, wir haben momentan so viel zu tun!!!

Aber im Gegensatz zu vielen anderen geht es mir zur Zeit wieder gut und jetzt weiß ich, welche Menschen als Freunde übriggeblieben sind. Es sind übrigens auch neue dazugekommen, die ich während meiner Krankheit kennengelernt habe und solche, die ich schon flüchtig kannte aber nie eine so grosse Zuneigung und Fürsorge erwartet hätte, wie sie während meiner Krankheit zeigten.

Auch die Angehörigen sind von solch verlorengegangenen (um die es nicht schade ist) Freundschaften betroffen. Ich finde es auch schlimm, wenn der Partner immer nur gefragt wird: " Wie geht es deiner Frau?" Aber nie: " Wie geht es dir, und kommst du mit der Situation klar?"

In diesem Sinne alles Gute an alle Betroffenen und auch an alle Familienangehörigen

Renate
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  #7  
Alt 04.04.2006, 21:59
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
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Beiträge: 169
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

hi laluna,
es ist schlimm und schön zugleich, wenn man seine freunde bis zum letzten begleiten darf.
schlimm, weil jemand von uns geht, schön, weil man ihnen auf seiner letzten reise lebewohl sagen kann.
ich denke, dass auch angehörige nachempfinden können, was in den betroffenen vorgeht, zum teil wenigstens.
je älter du wirst, desto öfters schlägst du die tageszeitung auf und betrachtest die vorletzte seite. dort stehen die todesanzeigen, und je öfter du jemanden erkennst, der auch in deinem alter war oder einen nachbarn oder bekannten, desto mehr wirst du an dein ende erinnert. es ist doch so, leider.....
und wenn du dann freunde hast, kannst du auch sagen: ICH BIN AUF MEINEM LETZTEN WEG NICHT ALLEINE.
das ist doch schon etwas, oder?????

lg

achim
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  #8  
Alt 04.04.2006, 23:29
Benutzerbild von mika
mika mika ist offline
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Beiträge: 163
Daumen hoch AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

Dies ist einer der seltenen Threads seit langer Zeit mit "gehobenem Niveau",
der auch wirklich die Problematik ,Ängste und Erfahrungen=Hilfe..widerspiegelt.
Eine Bereicherung(wenn auch trauriger Hintergrund),für Menschen die jeden tag die gleichen Probleme haben..kranke Menschen,für die sie sorgen müssen.
In dem Wirrwar von etlichen "Villen"),Kochstudios)etc.ist es schon fast tröstend,das hier wirklich geteiltes Leid halbes Leid ist!
Danke,und ich wünsche Euch ganz viel Kraft und Zuversicht...aber die habt Ihr schon!!
Mika
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  #9  
Alt 07.10.2006, 23:41
Benutzerbild von Fides
Fides Fides ist offline
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Beiträge: 25
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

Hi,

1. In der Not lernt man die wahren Freunde kennen, nämlich die, die sich nicht scheuen, einem auch in schweren Zeiten beizustehen.
2. Lebensbedrohende Krankheiten rühren an die eigene Endlichkeit (und somit an etwas, worüber die meisten lieber nicht nachdenken wollen).

Alles Gute & liebe Grüße
Carola
__________________
Nicht dem Leben mehr Tage,
sondern den Tagen
mehr Leben geben.

Indisches Sprichwort
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  #10  
Alt 13.10.2006, 21:03
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
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Ort: Weyhe / Niedersachsen
Beiträge: 169
Standard AW: ist Krebs ansteckend, oder warum.......

hallo carola,
ich hoffe, du hast solche ehrlichen freunde

und das mit der endlichkeit habe ich bei meiner frau auch feststellen können, wobei wir uns beide (auch zusammen) darüber sehr viele gedanken gemacht haben.

für viele ist es aber auch immer noch ein tabuthema, es ist ja noch soooo lange hin, also spricht man nicht drüber.

alles liebe

achim
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