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Alt 12.11.2010, 13:22
Hobbyschneiderin Hobbyschneiderin ist offline
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Registriert seit: 12.11.2010
Ort: aachen
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Standard Ich habe Danke zu sagen

Seit Dienstag vergangener Woche wusste ich, dass mein Vater einen Tumor an der Bauchspeicheldrüse hat. Seit dem Tag suchte ich im Internet nach Antworten auf Fragen, die ich gar nicht formulieren hätte können, da mir das Thema fremd war.

Ich habe in jeder freien Minute hier gelesen und mit geweint, mich geängstigt und mit gehofft. Weiterführende Links habe ich genutzt, um mich zu informieren.

Habt Dank für eure Berichte, für eure Sachlichkeit und offene Begleitung der Patienten und Angehörigen. Ich habe als stiller Mit- und "Nach"leser viel dadurch erfahren und für meinen unglaublich kurzen Weg mit der Krankheit nutzen können. Ich bin 800 km weit entfernt. Zuletzt gesehen hatte ich ihn im August.

Gestern Abend, 1 Woche und 2 Tage nach der Diagnose ist mein Vater verstorben. Er wäre im Februar 80 Jahre alt geworden.

Plötzlich und unerwartet kam der Tod nicht. Er hatte viele schwere Krankheiten in den letzten Lebensjahren. Silikose, Lungenfibrose, Spinalkanalverengung, Diabetes, Herzprobleme und einen Herzstillstand nach einer Lungen OP vor 3 Jahren. Damals konnte man ihn reanimieren und das schenkte ihm noch einmal 3 Jahre.
Im Grunde hätte es auch eine ganz "banale" Entzündung sein können, die ihm das Ende seines Lebens hätte bringen können. Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs war insofern eine weitere schwere Belastung für seinen Körper. Ich - wir glauben, er hat die Dramatik der Krankheit nicht mehr wirklich erfasst. Als wir vor 2 Tagen telefonierten sagte er, alle wären optimistisch.... und morgen wollte er wieder übers Wochenende nach Hause und kommendes Wochenende hatte er sich bei den Nachbarn zum Gartenbesuch angemeldet. Dabei sollte er gar nicht mehr aufstehen.
Er tat es doch, weil ihm die Windel höchst unangenehm war. Auf der Toilette ist er dann sterbend zusammen gebrochen. Mein Vater war ein eigensinniger Kranker, aber ein verträglicher Mann und ein guter Vati.

Heute Morgen schrieb ich an meine Bekannten, die wussten, wie es um uns steht und was meine Familie an Lasten trägt.

Das Leben ist kein Wunschkonzert und manches Lied ist kürzer..... Und kein Mensch weiß, wie wann wodurch und wie schnell. Das sollte man sich immer bewusst machen und so leben, dass man nicht die Freuden und die Sorgen ins "Später" verschiebt, sondern jetzt in Anspruch nimmt und jetzt oder schnell löst. Ist man mit sich im Reinen, hat man eine "gute Zeit" und jene ist nicht in der Dauer gut sondern im Inhalt. Mein Vater hatte viele lange gute Zeiten und er selbst hat dem Arzt gesagt, dass er glücklich ist - 3 Kinder, 12 Enkel, 2 Urenkel und das 3. ist unterwegs.
Das Leben geht seinen Weg und wir haben auf diesem Fußstapfen hinterlassen.
Nun lebt er nicht mehr. Meine Schwester sagte mir vorhin er würde ganz friedlich und erlöst aussehen.

Ich danke ihm und euch unbekannter weise für eure Begleitung in dieser kurzen Zeit.
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